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Mit der Schüler Union zurück ins letzte Jahrhundert

März 1, 2012
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Die CDU-Nachwuchsschmiede Schüler Union steht den großen pietätlosen, Mitgefühl heuchelnden, verschleiernden  Scharfmacher_innen in nichts nach. Im Gegenteil, die Kleinen setzen noch einen drauf. Mit einer Pressemitteilung, die nur drei Tage vor den Gedenkfeierlichkeiten für die Opfer der NSU am 23. Februar veröffentlicht wurde.

Unter der Überschrift “Schüler gegen Extremismus” gibt der Chef der konservativen Pennäler Lutz Kiesewetter sein Erschrecken zu Protokoll:

Wir alle haben mit Schrecken darauf reagiert, dass über Jahre hinweg eine rechtsextreme Zelle unbehelligt von Ermittlern und Öffentlichkeit ideologisch motivierte Mordanschläge verüben konnte. Deshalb steht Extremismus einmal mehr auf der Tagesordnung.

Schon in diesem Zitat kündigt sich an was kommen wird. Die Nachrichten um die NSU werden genutzt, um gegen “Extremismus” zu wettern. Langweilig?  Schließlich ist ähnliches oft zu vernehmen. Nun gut. Die Rede von “ideologisch motivierten Mordanschlägen” jedoch ist selbst für Christdemokrat_innen ungewöhnlich verschleiernd, für das, was anderswo als neonazistisch, rassistisch, menschenfeindlich bezeichnet wird. Doch das ist nur der Anfang. Weil nämlich Nazis mordend durchs Land ziehen, ist man beunruhigt und besorgt:

Der Schüler Union bereitet aber vor allem Sorge, dass Extremisten von rechts und links intensiv um Schüler und Jugendliche werben.

Um sich dieser Sorgen entledigen zu können, schlägt die Schüler Union folgendes vor:

Die Schüler Union fordert in ihrem beschlossenen Leitantrag unter anderem verpflichtende Exkursionen zu Gedenkstätten, die Einführung von besonderen Programmen zur Gewaltprävention mit dem Schwerpunkt linksextremistischer Gewalt und eine ausführlichere Thematisierung der SED-Diktatur im Schulunterricht, um Extremismus frühzeitig seinen Nährboden zu entziehen.

Wie, da ist jetzt gar nichts mehr zu lesen, von Neonazis und der Frage, wie man dem Problem Herr werden könnte? Na, immerhin wurde offen gelassen, welche Gedenkstätten besucht werden müssen. Das muss ja nicht Hohenschönhausen sein. Vielleicht das Leipziger Völkerschlachtdenkmal in Leipzig? Oder doch eine Gedenkstätte für Opfer der Shoa? Das darf selbst entschieden werden. Immerhin.

Und weils so schön poltert, wird noch einer drauf gesetzt. Für die LVZ nimmt Kiesewetter keinen Blatt vor den Mund. Dort unterbreitet er Stunden später einen weiteren Vorschlag, der in der Zeitung so beschrieben wird:

„Lehrer und Angestellte an Schulen sollten gegenüber ihrem Arbeitgeber ihre Parteimitgliedschaft offenlegen“, schlägt er vor. Dann könne man sie unter Beobachtung stellen und durch unangekündigte Unterrichtsbesuche auch durch den Verfassungsschutz besser kontrollieren, so Kiesewetter.

Das klingt super sicher. Da freuen wir uns, wenn Kiesewetter irgendwann König von Deutschland wird. Vielleicht darf man da schon wieder Führer sagen…

Quelle: Leipziger Volkszeitung, 22.02.2012 (online)

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