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Autonomes Glück – oder: „Linksextreme fühlen sich von Arbeit bedroht“

Februar 27, 2011
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In Brandenburg ist derzeit ein verstärktes Interesse zu beobachten, sich mit dem Linksextremismus auseinanderzusetzen. Die Punk-Band Krachakne steht vor Gericht. Der Vorwurf: öffentlicher Aufruf zu Gewalttaten via linksextremistischer Hassmusik auf drei Konzerten. Auch das Innenministerium betonte vor kurzem, das linksextremistische Potenzial werde immer unberechenbarer. Mehrere Musikbands würden in Texten zu Gewalt, unter anderem gegen Polizeibeamt_innen aufrufen. Die Existenz von Punkbands und Musiker_innen aus anderen Musiksparten, die ab und an zu Gewalt gegen Polizei und Neonazis aufrufen ist nichts wirklich neues. Demgegenüber aber scheint die „Autonome Szene“ die Beamt_innen, die sich erfahrungsgemäß meist weniger inhaltlich mit den Phänomenen beschäftigen als sie sollten, nun wirklich Kopfzerbrechen zu verursachen. In einem Bericht vom 19.1.2011 wird unter anderem über eine Broschüre berichtet, die die Beamt_innen fast aus der Bahn geworfen zu haben scheint. Unter der Überschrift „Linksextremisten fühlen sich von Arbeit bedroht“ heißt es im Bericht:

Eine bizarre Vorstellung ihrer Gewaltbegründung lieferten Autonome im Vorfeld des 1. Mai 2010 mit der Publikation „Euer Frieden kotzt uns an“ ab. Darin wird nicht nur die Abschaffung des „Schweinesystems“ gefordert, sondern ohne jede Ironie eine marxistisch-anarchistische Lebenswelt entworfen. Schließlich hat der Autonome „keine Lust …, den schönen Tag mit nervtötender Arbeit zu verbringen und sich vom nervenden Arbeitgeber ausbeuten zu lassen“. Als Lösung für dieses autonome Dilemma wird Diebstahl vorgeschlagen, also „sich die begehrten Dinge illegal anzueignen“. Konsequent streben Autonome daher nach Müßiggang auf Kosten der Allgemeinheit: „Arbeit für alle ist scheiße. (…) ‚Arbeit für alle’ heißt in der Realität eben nichts anderes als früh aufstehen“. Daher müsse man „den Kapitalismus überwinden und … ein schönes Leben erkämpfen“. Somit gelte es „jeden Tag im Jahr, den Freund/innen der deutschen Arbeit … in den Arsch zu treten und für ein selbstbestimmtes Leben einzutreten, jenseits von Arbeitszwang und kapitalistischer Verwertungslogik“.

Bizarr. Ohne jede Ironie wagen sich diese Extremist_innen die Arbeitsgesellschaft abzulehnen? Die wollen morgens nicht aufstehen, sich nicht ausbeuten lassen, ein schönes Leben? Es ist dem Text anzumerken: die Autor_innen vom Ministerium kommen mit diesem Inhalt nicht so richtig klar. Und wir freuen uns auf die erste Tagung des Brandenburger Innenministeriums zu Thema „Unterschätzte Gefahr: Ablehnung der Arbeit bringt Verfassung ins Wanken – linksextremem Streben nach Glück konsequent begegnen!“

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