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Dresden und die Extremisten

März 9, 2011
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Während Bürer_innen Unterschriften sammeln gegen die Kriminalisierung von echten, ehrlichen, friedlichen Nicht-Extremisten, gehen Antifa-Aktivisten mit einem Video an die Öffentlichkeit, das von Leerstellen geprägt ist.

Unterschriftenlisten anhand derer man dies und jenes per Mausklick unterstützten kann kursieren derzeit einige. Im Nachgang zu den Ereignissen in Dresden am 19.2.2011 kann nun kundgetan werden, dass man mit der Kriminalisierung  der Demonstrant_innen gegen den Naziaufmarsch (durch Medien, Polizei und Staatsanwaltschaften) nicht einverstanden ist. Auf onpetition.de wird die Möglichkeit geboten, einenText mit der Überschrift: Neonazi-Aufmärsche in Dresden: Gegendemonstrationen  anerkennen statt kriminalisieren! „Klingt erstmal annehmbar, liest man sich jedoch die Petition (genau) durch, dürfte sie nicht mehr unterzeichbar sein – zumindest nicht für sich als antifaschistisch verstehende Menschen…“ ist auf der Internetseite der Thüringer Landtagsabgeordneten Katharina König zu lesen, neben einer langen Kritik des Aufrufes und dessen links und rechts gleichsetzenden und den Extremsimusbegriff reproduzierenden Charakters á la:

Trotz eines erschütternden Gewaltausmaßes von rechts- und linksextremistischer Seite am Rande der Gegendemonstration ist der 19. Februar ein Erfolg für die Stadt Dresden und die Demokratie…

oder

Bürger, die friedlich versuchen, die Straßen nicht Rechts- und Linksradikalen zu überlassen, sind keine Extremisten! Es ist nicht so, dass sie sich dies ausgesucht hätten – sie fühlten sich als Demokraten dazu verpflichtet.

Es erscheint logisch, dass viele gegen Nazis demonstrierende Bürger_innen auch gegen brennende Mülltonnen sind, dass sie „Linksextremisten“ und „Rechtsextremisten“ gleichsetzen, sich nur sicher sind, dass grad mehr von den rechten Extremisten da (und deshalb zu bekämpfen) sind. Folgerichtig erscheint auch, dass sich diese Bürger_innen nicht damit abfinden wollen, von Polizei und Stadt in einen Topf geworfen zu werden mit anderen, die Barrikaden bauen. Dass diese Petition aber bislang von knapp 3000 Menschen unterschrieben wurde, unter anderem von dem Stadtratsabgeordneten Sören Pellmann (Die Linke) aus Leipzig, verwundert schon ein wenig.

Verwunderlich, dass auch andere unter den Tisch fallen lassen, wer alles an den Blockaden der Naziaufmärsche mitgewirkt hat. So ist bei youtube und Internetseiten wie der von avanti eine foto-slide-show zum 19.2. zu betrachten, die den Eindruck erwecken soll, den Tag zusammenzufassen. Zu sehen sind handwerklich sehr gute Fotos, die bunt gemischt Nazis (in schwarz-weiß) und die guten Gegendemonstrant_innen (bunte Bilder) zeigen. Dass in dieser slide-show stark mit Naziästehtik gespielt wird (Bilder von agressiven oder überzeugten Männern mit Fackeln in schwarz-weiß) mag eine persönliche Kritik einiger sein. Der Kniff auch ein paar Dresdner_innen die grad mit ein paar „Kerzschen“ um die Opfer der Bombemnacht von 1945 trauern in schwarz-weiß abzubilden, also zu den Nazis zu sortieren, mag erfreuen, eröffnet dies einmal mehr den Diskussionsraum um den Zusammenhang der Neonazi-Demos mit der spezifischen Dresdner Gedenkkultur. Dass aber in der gesamten slide-show kein einziges Bild von Blockadesituationen gezeigt wird, bei der man nicht grad entspannt auf einer Isomatte liegen konnte, dass kein Foto von Barrikaden, verbrannten Mülltonnen oder von Polizeigewalt zu sehen ist, verstört ein wenig. All das war  eigentlich nicht zu ignorierender Bestandteil der Tage im Februar. Warum es weggefallen ist – das könnte uns nur die Macher_innen verraten.

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