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Neuer Extremismus, neue deutsche Angst und andere Geschmacklosigkeiten…

August 3, 2011
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…eine Mini-Presseschau nach dem Attentat in Norwegen.

Das Attentat in Norwegen am letzten Juliwochenende hat wie erwartet Spuren in der deutschen öffentlichen Diskussion hinterlassen. Vertreter_innen von CDU und SPD sind sich nach wie vor nicht einig, welche neuen Überwachungsmethoden und Datenbänke nun als adäquates Mittel zu gelten haben – und warfen sich gegenseitig vor, das Attentat zu instrumentalisieren, SPD-Gabriel entdeckt erneut, dass Parteikollege Sarrazin zumindest inhaltlich aus ähnlichem Holz geschnitzt ist wie Breivik, einige Journalist_innen erklärten den Attentäter kurzum zum Irren, während andere der Ansicht von Verfassungsschützer_innen folgten, die eine neue Form des Extremismus ausriefen – den anti-islamistischen, christlich- fundamentalistischen  Extremismus sozusagen, Hauptsache man spricht nicht von Rassismus, Volksgemeinschaftsdenken, Neonazis und ähnlichem.

Diese Versuche ein neues extremistisches Randphänomen zu konstruieren waren dann auch in Äußerungen zu finden, die angesichts der Ereignisse in Norwegen als schlicht geschmacklos bezeichnet werden müssen. Ein Beispiel fand sich bereits am 24.07. im Nordkurier. Dort gab sich Autor Michael Seidel alle Mühe, klar zu machen, dass der Attentäter Breivik teil einer extremistischen Szene ist, der Rechte, Islamisten und Linke gleichermaßen angehören. Begrifflich wurde diese Gleichsetzung dann folgendermaßen zusammengefasst:

Bezüge zwischen Nazis und Islamisten sind nicht so fern, wie mancher glaubt: In Sachen Holocaustlüge und Judenhass solidarisierten sich führende europäische Neonazis mit dem iranischen Diktator Achmadinedshad auf einer von ihm einberufenen „Holocaust-Konferenz“ in Teheran. (…) Und letztlich sind auch die so genannten Straßenkämpfe der Linksextremisten, ob bei den Mai-Krawallen in Berlin oder beim G8-Gipfel in Rostock 2008, nichts anderes als Terror gegen eine offene Gesellschaft, die ihre Probleme und Konflikte friedlich, im Diskurs lösen will.

Die mittlerweile etablierte Gleichsetzung von so genanntem Rechtsextremismus (seit 1990 ca. 150 Todesopfer in der BRD) und Linksextremismus (ca. 0 Todesopfer seit 1990 in der BRD) wird  schlicht um den Attentäter in Norwegen erweitert und fertig ist das alte-neue Weltbild.

In der TAZ war dann am 25.07. ein Artikel zu lesen, der sich gegen die Beschreibung des Attentats als „extremistisch“ wendete – um mit einer weiteren Geschmacklosigkeit aufzuwarten. Anstatt sich wirklich inhaltlich mit der Materie zu beschäftigen und eine diesbezügliche Auseinandersetzung zu fördern, endet Autor Waibel mit einem „Witz“ der erklären soll, warum Linke nicht so schlecht so sein können wie Rechte:

Wenn die Autonomen die KZs betrieben hätten, wäre man höchstens am veganen Essen gestorben.

Was haben wir gelacht…

Eher skurril erscheint die neue, temporäre mediale Wahrnehmung der Neonazi-Szene in Deutschland. So sendete beispielsweise ARD-Panorama einen Beitrag der tatsächlich eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Nazi-Ideologien beinhaltet und die nun seit mehreren Jahren laufende Volkstod-Kampagne deutscher Neonazis in den Mittelpunkt stellt und inhaltlich mit den Ausführungen des Attentäters Breivik vergleicht. Ein spätes Interesse dafür, dass in der BRD Organisationen agieren die eine homogene Volksgemeinschaft etablieren wollen, die „den Demokraten“ vorwerfen „für den Volkstod“ verantwortlich zu sein. Das ist alles nicht so neu, wie die auch im  Beitrag dokumentierte neue Angst von Angehörigen der deutschen Mehrheitsbevölkerung, die sich nach den Ereignissen in Norwegen nun selbst von Nazis bedroht zu sehen scheinen und sich neuerdings angesichts einer rechten Demo fürchten, war Attentäter Breivik doch keineswegs auf Migrant_innen, Linke oder Obdachlose fixiert – wie gewöhnliche deutsche Nazis. Er nahm den Tod zahlreicher Menschen in Kauf die allgemeinhin als „angepasste richtige Norweger“ bezeichnet werden könnten….ob diese neue deutsche Angst von Bürger_innen, die bislang Nazidemos eher als Störung der öffentlichen Ordnung wahrgenommen haben oder hinter vorhaltener Hand gar Verständis für diverse Inhalte äußerten, Einfluss auf den zukünftigen Umgang mit der Thematik haben wird, werden wir sehen:

Quelle: youtube

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