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Von brennenden Rollern und einer Technotofuschnitzeljagt

August 25, 2011
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Die politisch links motivierte Kriminalität steigt immerzu, dass suggerieren Behörden und Medien seit Jahren. Doch eine nähere Betrachtung der präsentierten Zahlen und Sachverhalte (also  das was deutsche Behörden zugänglich machen) führt Interessierte nicht unbedingt zu dem, was man Erkenntnis und Durchblick nennen würde.

Die Berliner Polizei ist ratlos. Nacht für Nacht werden in der Stadt Autos angezündet. Der Brandserie der letzten Tage sind laut Polizeiangaben ca. 80 KfZ und andere Fahrzeuge zum Opfer gefallen. Innensenator Körting wies schon vor Tagen darauf hin, man wisse nichts über den oder die Täter. Es handele sich nur in einigen Fällen um linksextremistische Straftaten, häufig sei von Nachahmungstätern auszugehen. Wie die Behörden diese Unterscheidung  in politisch/vandalistisch vorzunehmen scheinen, wenn sie eigentlich nichts über die Täter_innen wissen, offenbart sich einem Artikel in der Berliner Zeitung vom Montag. Dort werden die Ereignisse des letzten Wochenendes und die Einschätzung der Polizei zu den Vorkommnissen widergegeben:

In Berlin brannte gestern in der Revaler Straße in Friedrichshain ein Bagger aus, am Heilmannring in Charlottenburg stand ein Mercedes in Flammen. In beiden Fällen vermutet der Staatsschutz einen linksextremistischen Hintergrund. Anders bei einem Motorroller, der in Neu-Hohenschönhausen in der Ribnitzer Straße angezündet wurde. Hier vermutet die Polizei Vandalismus. In der Nacht zum Sonnabend hatte es in Lichtenberg, Altglienicke und Friedrichshain gebrannt. So wurde in der Neustrelitzer Straße ein VW angesteckt. (…) Die Polizei geht von Vandalismus  als Motiv aus, wie auch bei einer Tat in der Venusstraße in Altglienicke, wo ein Motorrad abbrannte. Politisch motiviert scheint dagegen eine Tat in der Liebigstraße, wo ein BMW brannte.

Wir fassen zusammen: die Behörden wissen nichts über Täter_innen und deren Hintergründe – eines aber scheint klar: Angriffe auf BMW, Mercedes Benz und Bagger sind immer „linksextremistisch motiviert“; Roller, VW und Motorräder werden pers se zum Opfer von Vandalen. Ist das nicht zu einfach? – mögen einige fragen. Möglicherweise schon.

Auf eine anderes Beispiel scheinbar planlosen Vorgehens der Behörden wenn es gilt, politisch motivierte Kriminalität in Berlin zu erfassen weist berlinpankowblogger hin. Der hat die Statistik der Polizei zu politisch motivierter Kriminalität im Bezirk Neukölln genauer unter die Lupe genommen. Dass die erhobenen Statistiken selbst in ihrer Eigenlogik schwierig sind, denn es handelt sich um die Darstellung der Anzahl von Tatverdächtigen  und nicht Täter_innen ist allgemein bekannt (nachzulesen hier). Berlinpankowblogger aber stellt zusätzlich fest, dass einige Zuordnungen von Ereignissen zu politischer Kriminalität-links sagen wir mal „rätselhaft“ sind oder  keineswegs das Bedrohungsversprechen erfüllen, was Medien immer wieder skandalisieren wenn sie von linker Kriminalität sprechen – zum Beispiel wenn Jugendliche mit „Musikanlage“ auf „Technotofuschnitzeljagt“ „lautstark“ durch eine Mc Donalds Filiale laufen. Im folgenden ein paar Auszüge aus der Statistik (Reihenfolge nicht wie im Original):

Einzelne Kategorisierungen führen vor, wie irrig die Unterteilungen sind. So ist denkbar, dass aus sich als „links“ verstehenden Kreisen antisemitische Übergriffe hervorgehen können, aber die sind nun mal antisemitisch, egal ob aus der „rechten“ oder „linken“ Ecke oder aus der „Mitte.“ Und in den meisten anderen dokuemntierten Fällen gilt: Irritation  ist legitim.

Quellen: BZ vom 22.08.2011, berlinpankowblogger und Statistik aus anlage zu Drucksachen der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln von Berlin/KA 143 XVIII.

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