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Abgeräumt: Preise für vorbildliches Engagement gegen Linksextremismus vergeben

Januar 3, 2012
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Die 20, von der Zeitbild-Stiftung ausgereichten und vom Bundesfamilienministerium geförderten, Preise für „Schulen und Jugendeinrichtungen“  gingen u.a. an eine Verfassungsschutzbehörde, eine Polizeibildungseinrichtung, mehrere Projekte, die gefördert wurden vom Förderer der Ausschreibung – vom Bundefamilienministerium, drei wurden an Projekte in  Dresden, zwei nach Göttingen verliehen.

Irgendwas ist immer: Vor wenigen Wochen geriet Familienministerin Schröder einmal mehr in die Kritik. Stein des Anstosses diesmal war die von ihrem Ministerium bei der Zeitbild-Stiftung in Auftrag gegebene Handreichung für Lehrer_innen zum Thema (Links-)Extremismus. Die Zeitung Neues Deutschland beschwerte sich, in der Broschüre als Paradebeispiel für linksextreme Medien genannt zu werden und konterte mit einem Titelfoto, auf dem sich Mitarbeiter_innen  „outeten“. Selbst die müde, kuschelige SPD-Fraktion im Bundestag reichte Mitte Dezember eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung ein, die im Fragetext Aufmachung und Inhalt der Handreichung scharf kritisierte (siehe Bundestag Drucksache 17/8192). Die gezielten Fragen der Sozialdemokrat_innen erreichten dabei fast schon unterhaltenden Charakter, denn sie verwiesen pointiert auf die Schwachstellen des Linksextremismus-Gespenst‘, die selbst Menschen aufstoßen dürften, die sich mit der Thematik bislang nicht beschäftigt haben:

Auszug Bundestag Drucksache 17/8192

Auszug Bundestag Drucksache 17/8192

Den Kritiken entzog sich Schröder mit dem Verweis darauf, dass die Zeitbild-Stiftung hier zwar im Auftrag des Familienministeriums, jedoch selbstverantwortlich, gearbeitet habe.

Anfang Dezember ging die Zeitbild-Stiftung mit einer neuen Aktion an die Öffentlichkeit, einem Preisausschreiben für Projekte, die gegen Linksextremismus tätig sind– unter dem Motto „Augen auf! – Demokratie stärken – (Links-)Extremismus verhindern„. Gefördert (sprich finanziert) wurde der Wettbewerb vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend. Ausgezeichnet wurden 20 Projekte. Gleich drei Preise gingen nach Dresden – für das Erstellen einer „Lehrbroschüre für Berufsschüler zum Thema Gefahr durch (Links)-Extremismus.“ und einer weiteren zur Gedenkstätte „Hohenschönhausen“ an die Akademie für berufliche Bildung gGmbH, und an die Schule am Landgraben Dresden für ein Projekt namens „Musik und Extremismus“. Platz 2 wurde einem Projekt der Deutschen Gesellschaft e.V. mit dem Titel „Präventionsworkshop gegen (Links-)Extremismus – Initiative Demokratie stärken“  verliehen – das Projekt wurde übrigens gefördert vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend. Die Deutsche Gesellschaft scheint, wie die Stadt Dresden, ein Lieblingskind der Jury der Zeitbild-Stiftung zu sein, denn auch sie wurde zweimal bedacht. Sie bekam einen zweiten Preis für die Ausschreibung eines Preises für die Gestaltung von Plakaten. Wirklich. Hoch in der Gunst steht auch eine Berufsschule aus Göttingen, ausgezeichnet für einen Blog (mehr Infos hier), der gleichermaßen über die RAF und den Ku-Klux-Klan aufklärt und für ein Zeitzeug_innengespräch.

Preis für Weiterbildung von Polizist_innen?

Screenshot Internetseite "www.augen-auf-gegen-extremismus"

Screenshot Internetseite "www.augen-auf-gegen-extremismus"

Preis Nummer 5 wurde an ein Projekt mit dem Titel „Seminar: Gewaltbereiter Linksextremismus“ vergeben. Was sich genau dahinter versteckt, ist auf der Präsentation im Internet nicht zu sehen, dort ist nur eine oberflächliche Beschreibung und ein Verweis zu finden, dass diese Veranstaltung für Teilnehmende ab 16 Jahren geöffnet war. Daneben befindet sich jedoch ein Bild des Schlosses „Gimbhorn“, dessen Mitarbeiter_innen die Einrichtung selbst so beschreiben:

Getragen von der International Police Association richtet sich die Bildungseinrichtung mit ihrem Programmangebot hauptsächlich an Polizeibedienstete des In- und Auslands…

Und dort hat im Juni 2011 tatsächlich ein Seminar unter o.g. Titel stattgefunden – als Zielgruppe fungierten „Polizeibedienstete aller Dienstgrade und Funktionsbereiche“.

Platz 8 wurde dem Verfassungsschutz in Niedersachsen verliehen, für die Extremismus-Informationsstelle NEIS…und ein Planspiel, dass auf der zugehörigen Homepage folgendermaßen umschrieben wird:

Das Planspiel „Demokratie und Extremismus“ wird von der Niedersächsischen Extremismus-Informationsstelle (NEIS) beim Verfassungsschutz seit Ende 2010 ab der 10. Klasse angeboten. Bislang wurde es 18-mal erfolgreich durchgeführt. Die Teilnehmer sind gefordert, sich im Rahmen eines Szenarios (Anmeldung einer „Heldengedenkfeier“ oder eines „Trauermarsches“ durch Extremisten) in Ideologie und Handeln von Rechts- und Linksextremisten einzudenken. Zudem werden eigenständig Reaktionen und Handlungsmöglichkeiten von Demokraten erarbeitet. Ziel des Planspieles ist es, die Unvereinbarkeit von Demokratie und Extremismus erfahrbar zu machen.

Über die Jury, die über die Auszeichnung entschieden hat, ist auf der Internetseite von „Augen auf!“ nur zu lesen:

Eine Jury aus anerkannten Extremismus-Forschern und Pädagogen wählt die 20 besten Beiträge aus.

Quellen: http://www.augen-auf-gegen-extremismus.de // http://www.zeitbild-stiftung.de/augen_auf_gegen_extremismus.html (beide eingesehen am 03.01.2012) u.a.

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