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„Suspekt“ – Oberbürgermeister von Limbach-O. unterstützt Neonazis nun auch finanziell

Februar 4, 2012
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Über den sächsischen Ort Limbach-Oberfrohna (gleich um die Ecke von Chemnitz und ca. 30km von Zwickau entfernt) wurde bundesweit schon einiges berichtet. Das Örtchen und sein „Extremismusproblem“ war mehrfach Thema bei mdr exakt (auch hier), bei ndr, in der taz, auf dem Blog von Die Zeit, oftmals in der Freien Presse Chemnitz, bei publikative.org auf dem hiesigen Blog und anderswo.

Gegenstand der Berichterstattung waren, abhängig vom Medium, dauernde Nazi-Übergiffe auf so genannte alternative Jugendliche, eine ignorante (oder nennen wir es tolerante) Stadtgesellschaft und nicht zuletzt -spitze, die ihr Hauptaugenmerk auf die „Gefahr von links“ legt oder das alte Bild der Jugendkriminalität heranzieht, um die Lage zu beschreiben; die im Einklang mit den Behörden bunthaarige Jugendliche, die versuchen ein bisschen Leben in die Stadt  zu bringen, kriminalisiert und behindert wo es nur geht. Da wurden in den letzten Jahren Rechnungen für Straßensäuberungen versendet, weil  Engagierte bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer Rechter Gewalt mit Kreide auf die Straße gemalt hatten. Da wurden Hausdurchsuchungen angeordnet, nachdem sich Jugendliche in einem Haus gegen einen Nazi-Angriff gewehrt hatten. (Durchsucht wurde wohlweislich nicht bei den Angreifer_innen.) Da scheuen sich Schulen, bunthaarige Schüler_innen aufzunehmen. Da, da, da…

Bezeichnend für den Ort war in den letzten Jahren, dass ein Nazi-Problem als solches nur von besorgten Eltern und betroffenen Jugendlichen wahrgenommen wurde, dass gewalttätige Naziübergriffe zu Scharmützeln zwischen „Rechtsextremisten“ und „Linksextremisten“ stilisiert wurden – alles in allem: ein „Schwarzbuch Limbach-Obefrohna“ hätte heute eine ansehnliche Seitenzahl, und wenn man sich mit der Materie eine Weile beschäftigt hat, meidet man willkürlich neue Informationen aus diesem Städtchen.

Wenn man es doch tut, dann muss man nicht lange suchen – es finden sich schnell Nachrichten wie diese: Oberbürgermeister Rickauer hatte im Oktober 2011 stolz einen neuen Jugendclub eingeweiht. Maßgeblich soll dazu beitragen, Jugendlichen Angebote zu unterbreiten und so dem „Extremismusproblem“ Herr zu werden. Der Club wird geleitet von Antonia Fritzsche, die nach ihrer Erzieher-Ausbildung in Hohenstein-Ernstthal eine Vorschulgruppe in Delitzsch geleitet, dann Erfahrungen mit Hortkindern der dritten Klasse gesammelt hat. Für die angespannte Lage in L.-O. wurde also eine echte Fachkraft geworben, die schon letztes Jahr klar machte, wohin die Reise geht: „Wir sind für alle offen, aber nicht für alles“, es werde kein Unterschied zwischen Jugendlichen aus der rechten oder der linken Szene gemacht – solange diese in friedlichem Umgang miteinander, also ohne Extremismus, verkehren. Eine Fachkraft – wie gesagt. Auch Uwe Mundlos und Beate Zschäpe verkehrte in ihrer Jugend in einem Klub, wo nicht alles aber alle willkommen waren…man nannte das damals akzeptierende Jugendarbeit, die mit unqualifizierten Mitarbeitern zum Kickern mit Nazis mutierte, und sicherte so erfolgreich den Ausbau von Kameradschaftsstrukturen in Sachsen und anderswo – teilweise mit Anlaufstellen in städtischen Einrichtungen.

OB Rickauer im eigenen Podcast 1/2012 (screenshot)

OB Rickauer im eigenen Podcast 1/2012 (screenshot)

Ganz demokratisch durften die Jugendlichen ihrem Club in der Innenstadt von L.-O. selbst einen Namen geben – und entschieden sich für „suspekt“. Auch die Bemalung der Wände wurde in die Hände der Nutzer_innen gelegt – sie bekamen dabei Hilfe vom Künstler Jörg Kemter aus Wolkenburg. Auf einem Podcast von Bürgermeister Rickauer, der auf der offiziellen Internetseite der Stadt anzusehen ist, und in dem der Stadtchef stolz über den neuen Jugendclub berichtet, ist der Künstler im Hintergund zu sehen, wie er mit ein paar jungen Männern eine Wand bemalt. Geübten Augen fällt beim Zuschauen allerdings sofort etwas auf: einer der beiden jugendlichen Wandmaler ist mit einem Gürtel der Marke Thor Steinar gekleidet, auf dem groß und in rot germanische Runen prangen. Das – sagen wir mal extrem – ungute Gefühl was sich während des Medienkonsums bei der Autorin eingestellt hat, wurde verstärkt durch eine Pressmitteilung der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V., in der folgendes beschrieben wird:

Es sind im Podcastbeitrag von OB Dr. Hans-Christian Rickauer sowie im Stadtspiegel Nummer 1/2012 zwei stadtbekannte Neonazis zu sehen. Thomas M. ist ein guter Freund des Nico. D. (verurteilter Brandstifter mit Anbindung an die Neonaziszene, der ein Domizil des Vereins zerstörte, d.A.). (…) Peter W. war bei mehreren Angriffen auf den Infoladen „Schwarzer Peter reloaded“ auf der Sachsenstraße 26 dabei. Zudem bewegen er und sein Freund sich weiterhin in neonazistischen Kreisen. So zum Beispiel mit Nico K., ebenfalls beteiligt am Ausbau des „Suspekt“, der mehrfach durch bepöbeln von alternativ-gekleideter Menschen aufgefallen ist.

Wir fassen kurz zusammen: nach Jahren rechten Terrors in der Stadt Limbach-Oberfrohna, in der auch die NPD gerne zu Gast ist, wird nun mit städtischen Geldern (vorerst über 180.000 Euro) ein Jugendclub eröffnet, den Jugendliche aus der Rechten Szene in Zusammenarbeit mit einer Kinderpädagogin und einem Künstler gestalten dürfen – da erscheint es legitim davon zu sprechen, das hier quasi Geld in Szene fließt.

Ach, damit dieser Bericht nicht jeglicher Objektivität entbehren muss sei erwähnt: die Stadtoberen w0llen natürlich irgendwie auch Flagge setzen gegen Rechts – Image ist alles. Nun wollen sie „Rechtsextremisten“ den Zugang zu allen öffentlichen Einrichtungen verwehren – das ist Demokratie in Sachsen.

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