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Satire oder einfach nur unglaublich doof?

März 11, 2012
von

Ein im Vorwärts, der Parteizeitung der SPD, veröffentlichter Comic führte zu Kontroversen in sozialdemokratischen Kreisen.

Vor wenigen Tagen war auf dem Blog der Jusos ein Leserbrief einzusehen, der an den Vorwärts-Chefredakteur Knüpfer gerichtet war. Dort machte sich der stellvertretende Bundesvorsitzende Julian Zado in etwa so Luft:

Der von David Füleki geschriebene/gezeichnete, aber von Dir, Uwe Knüpfer, verantwortete Comic ist wirklich die übelste und dümmste polemische Hetze, die ich im Vorwärts je gelesen habe. Das muss man erstmal hinkriegen.

Sichtlich aus der Fassung gebracht wurde Zado von diesem Comic:

Faksimile von lafontains-linke.de

Faksimile von lafontains-linke.de

Die Kritik ist nicht nur aus Sicht von ausgemachten Extremismustheoriekritiker_innen zu verstehen, sondern auch vor dem Hintergrund, dass sich die Jusos als “sozialistischer Jugendverband verstehen”. Demenstprechend schloßt Zado auch seinen offenen Leserbrief:

Ich habe als aktiver Juso schon viele massive Beleidigungen wegen meiner politischen Arbeit gehört, aber das ist mit Abstand die Schlimmste. Der Vorwärts hat mit diesem Comic vielen tausend aktiven Jusos und Falken direkt ins Gesicht geschlagen mit diesem „Extremismus-egal-in-welcher-Form-ist-scheiße-Comic“. Aber das einzige was wirklich „extrem“ ist, ist die Dummheit, Dreistigkeit und Unverschämtheit des Vorwärts, das diesen Comic abdruckt.

Es folgte eine Stellungnahme des Chefredakteurs in der der sich darauf berief, es handele sich hier ja um Satire aber auch ganz unsatirisch bekannt gab:

Wer in unserem Land Autos anzündet, handelt nicht politisch, sondern verbrecherisch, ganz egal welche Motive er vorschiebt – und ganz egal übrigens auch, ob es sich um einen Opel Astra oder einen Mercedes der S-Klasse handelt. Jusos und Falken tun gut daran, sich von “Schwarzen Blöcken” klar zu distanzieren. Die Jugendorganisationen der Sozialdemokratie haben nichts, aber auch gar nichts mit Krawallmachern gemein, wie sie der Typ mit dem roten Stern in David Fülekis Comic verkörpert.

Zum Schluss kam auch noch der Zeichner zu Wort. Der findet nämlich:

Provozieren kann man nur die, die sich angesprochen fühlen, also die, die sich mit den Figuren identifizieren.

Dass sich vielleicht auch die provoziert fühlen, die von anderen mit den Figuren identifiziert werden, kommt Fükeli nicht in den Sinn. Dafür hat er sich theoretisch mit der Materie auseinandergesetzt und bietet ganz neue Perspektiven auf das Phänomen. Während nämlich Eckhard Jesse und Uwe Backes, die beiden Extremismustheorievorreiter der letzten Jahrzehnte, seit neuestem unterscheiden in weichen und harten Extremismus, schafft Fükeli neue Kategorien. Bei ihm existiert scheinbar ausartender und damit auch nicht-ausartender Extremismus. Das klingt dann so:

Ansonsten bleibt zu sagen, dass gegen die linke Gesinnung definitiv nichts zu sagen ist, aber sehr wohl gegen den – egal ob links oder rechts motivierten – ausartenden Extremismus, den ich als Tiefost-Kind nur zu gut kenne – von beiden Seiten gleichermaßen.

Wir hoffen, diese Theorie wird von Fükeli demnächst noch etwas intensiver ausformuliert (vielleicht findet sich noch eine  bildliche Füllung für “abartiger Extremismus?) – Frau Schröder hat auch hier bestimmt noch ein paar Mittel für solche Projekt parat…

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