Skip to content

„Besseres Hannover“ sind doch Linksextremisten?

April 17, 2013
by

Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) klärte Anfang April in Bremerhaven 150 Schüler_innen über Extremismus auf. Auf der zugehörigen Webseite zeigt der Bericht eines Tim Kempers, dass Unverfrohrenheit und Dummheit bei der KAS nicht erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind. Doch beginnen wir von vorne. Mit Stolz wird erklärt, dass sich für den „Jugendpolitiktag. Für Demokratie gegen Extremismus“ 200 Schüler_innen angemeldet hatten, von denen dann 150 teilnehmen durften, die von Kempers als „Auserwählte“ bezeichnet werden.

Zu Beginn klärte Dr. Stephan Walter, Mitarbeiter des Verfassungsschutzes Niedersachsen, die Anwesenden über verschiedene Formen des Extremismus auf. „Dr. Walter verstand es, die Widersprüche der Extremisten auf teilweise ironische Art darzulegen, ohne dass die Brisanz und Relevanz der Thematik in den Hintergrund gestellt wurde“ – das finden wir auch wunderbar, dass nachdem die VS-Behörden bei den NSU-Morden ein bisschen weggeschaut haben und man mitttels V-Leuten Geld und mutmaßlich Waffen in die rechte Szene gegeben hat, man noch ein bisschen Humor besitzt und ironisch darstellen kann. Noch schöner wurde es später. Nämlich als Dr. Rudolf van Hüllen in einem Vortrag zum Linksextremismus einmal mehr erklärte, dass dieser sehr gefährlich ist. Kempers fasst zusammen:

Der Publizist und Politikwissenschaftler erklärte ihnen, dass es in Deutschland gut 9.000 mehr Linksextreme als Rechtsextreme gibt und dass auch die Anzahl der begangenen Straftaten von Linksextremisten höher liegt. Außerdem wurde die besondere Anziehungskraft linksextremistischer Gruppierungen, welche sich aufgrund ihres „notorisch guten Gewissens“ für die „eigentlichen Vertreter der Demokratie“ halten, anhand eines Werbevideos der linksextremen Gruppe „Besseres Hannover“ dargestellt.

Nun gut, über die Zahlen läßt sich nicht streiten, immerhin werden die von VS und Polizei jedes Jahr mit viel Aufwand eigens produziert. Allerdings stellt sich die Frage, seit wann die Gruppe „Besseres Hannover“, die 2012 wegen Volksverhetzung und nationalsozialistischer Propaganda verboten wurde, linksextrem ist. Dass van Hüllen ernsthafte Probleme hat wissenschaftlich zu arbeiten zeigt seine derzeitige Auseinandersetzung mit der MLPD vor dem Landgericht Essen und, wenn man ehrlich ist, auch jede seiner Veröffentlichungen. Aber eine gerichtlich verbotene Nazi-Gruppe als Beweis „für die Anziehung linksextremistsicher Gruppen“ heranzuziehen ist mit Verlaub dann doch ein wenig auffällige Propaganda.

Wie auch immer. Nachdem die Einleitung und drei Workshops (übrigens ausschließlich geleitet von Männern) vorbei waren, folgte ein tolle Sache:

Zum Abschluss wurde ein Extremismusquiz veranstaltet, bei welchem die Schülerinnen und Schüler ihr neu angeeignetes Wissen unter Beweis stellen konnten.

Bei der versammelten Fachkompetenz vor Ort können  wir nur mutmaßen, wie die Fragen und Antworten des Quiz gestaltet waren. Vielleicht so?

1. Was für ein Extremist ist ein Typ der Mitglied bei der NPD ist?  Richtig: Linksextremist, der vorgeben will dass das Nazi-Problem groß ist und Konflikte anheizen will.

2. Was für ein Extremist ist einer, der eine blaue Hose anhat? Richtig: Im Zweifelsfall ein Linksextremist, von denen gibt es so viele, dass die Wahrscheinlichkeit größer ist.

3. Was ist „Besseres Hannover“? Richtig: Ein linksextreme Gruppe.

Hier der gesamt Bericht auf der Seite der KAS als pdf

Nachtrag: Eine Woche später wurde der Text auf der KAS Internetseite geändert. Dort ist die Beschreibung zu „Besseres Hannover“ als Symbol für linksextreme Gruppen verschwunden und nur noch zu lesen: „Außerdem wurde die besondere Anziehungskraft linksextremistischer Gruppierungen, welche sich aufgrund ihres ’notorisch guten Gewissens‘ für die ‚eigentlichen Vertreter der Demokratie‘ halten.“ (Fehlendes Verb auch im Original).

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.