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Neues altes Sternchen am Extremismushimmerl

Juni 2, 2013
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Es ist schon was her, aber doch immer aktuell: Interessierte an den Entwicklungen der Extremismusformel können schon seit längerem den Bericht einer Tagung einsehen (hier), die die Hans-Seidel-Stiftung in Kooperation mit Prof. Jesse (TU Chemnitz) im März 2012 durchgeführt hat. Neben altbekannten Protagonisten dieser Szene wie Jesse, Backes, Pfahl-Traughber oder dem wegen seines hohen Unterhaltungwerts vom Autor sehr geschätzten Rudolf van Hüllen (siehe: hier, hier und hier) waren auf der Tagung weiter interessante,  inkompetente Menschen anwesend. So zum Beispiel Guido Selzner vom Bundesamt für Verfassungsschutz, der ausgerechnet über „die Problematik rechtsterroristischer Zellen“ referierte.

Oder eben – und damit kommen wir zu unserem Favoriten – Dieter Fabritius. Seines Zeichens freier Publizist der über das Thema „Autonome und Printmedien“ referierte. Warum der Abschnitt im Tagungsbericht eines Herrn Stefan Jungbauer hier fast vollständig dokumentiert werden soll wird sich – geneigte Lesende dieses Blogs – weiter unten erschließen. Im Tagungsbericht heißt es:

Als Grundlage seiner Ausführungen benannte Fabritius seine zurückliegende Tätigkeit als „Polizeireporter“ einer süddeutschen Zeitung. Seinem Arbeitsethos habe es entsprochen, sich weitgehend auf „reine“ Berichterstattung ohne Kommentare zu beschränken und sich dabei auf eine ausgedehnte Recherchetätigkeit zu stützen. Auf diesem Wege hätten zahlreiche seiner Artikel Protest auf verschiedenen Seiten hervorgerufen, wobei im Zuge dessen der „linke Unmut“ besonders heftig ausgefallen sei. Dies habe sogar dazu geführt, dass er auf seiner eigenen Hauswand unter anderem mit dem Schriftzug „Schreibtischtäter Fabritius“ gebrandmarkt worden ist, was er den Tagungsteilnehmern anhand privater Bildquellen illustrieren konnte.

Die Zeit seiner Tätigkeit als Polizeireporter in der er  sich mit „reiner Berichterstattung“ beschäftigte haben andere tatsächlich anders gesehen. Zu finden ist ein Offener Brief von 1995 an den damaligen Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, in dem es heißt:

‚Sehr geehrter Herr Schröder, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner protestieren mit ihrer Unterschrift gegen die unseriöse Berichterstattung des Polizeijournalisten Dieter Fabritius im Münchner Teil der SZ. Seine Artikel sind nicht das Ergebnis sorgfältiger Recherchen, wie es der Pflicht eines Journalisten entspräche. Bei der Auswahl seiner Nachrichten ist sein politisches Interesse erkennbar, Ausländer/-innen zu diskriminieren. Er gibt grundsätzlich nur Aussagen der Polizei wieder, ohne sich um einen Kontakt mit den Betroffenen zu bemühen. Oft ist eine Trennung von Bericht und Kommentar nicht erkennbar … Wir erwarten eine Berichterstattung, die dem Niveau einer seriösen Tageszeitung angemessen ist. Falls jedoch Herrn Fabritius weiterhin Gelegenheit gegeben wird, mit seinen Artikeln Menschen zu diffamieren oder die Stimmung gegen Menschengruppen, besonders Ausländer und Ausländerinnen anzuheizen, sehen wir uns zu Konsequenzen, wie z.B. Kündigung des SZ-Abos, gezwungen. (Herv. v. Autor)

Na, da scheinen ja ganze Wahrnehmungwelten aufeinanderzuprallen. Aber egal, das Sternchen namens Fabritius wird von nun an am wissenschaftlichen Extremismushimmerl strahlen. Ach so, für Wissensdurstige: der „linke Unmut“ in Form dieses Offenen Briefes gegen die „Berichterstattung“ des Herrn Fabritius kam 1995 nicht von so genannten „Autonomen“, sondern von der Gewerkschaft Wissenschaft und Erziehung (GEW).

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