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Mit Kulturschock gegen Linksextremismus

März 21, 2014
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Das Projekt Kulturschock des Berliner Vereins projektkontor bildung und forschung e.V., das sich dem Kampf gegen Linksextremismus verschrieben hat, laviert zwischen unseriös und verwirrend…

2009 erkor die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung den „Linksextremismus“ zum ernstzunehmenden Problem dem man ähnlich dem als Pendant konsturierten „Rechtsextremismus“ versuchen sollte, mit Bundesprogrammen beizukommen. Dem folgend wurden zahlreiche Projekte finanziert und selbigen später Preise (siehe auch hier) vergeben.

Ein besonderes Schmeckerchen hat der Berlin/Brandenburger Verein projektkontor bildung und forschung e.V. entwickelt. Unter dem Titel Kulturschock führt man dort seit Jahren ein Modellprojekt mit folgender Zielstellung durch:

Das Modellprojekt soll linksaffine Jugendliche zu einem Diskurs zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, zu Rechtsstaatlichkeit und Untauglichkeit von Gewalt befähigen, um extremistischer Gewalt entgegen zu wirken. „Transportmittel“ für diese Auseinandersetzung sind künstlerische Aktivitäten und deren Präsentation und Diskussion mit „der Gesellschaft“

Wer nicht weiß, von wem hier die Rede ist:

Linksaffine Jugendliche beziehen ihre Einstellungen und Haltungen oft aus Versatzstücken sogenannter autonomer, anarchistischer, antikapitalistischer und antifaschistischer Ideologien. Gleichzeitig gibt es eine Verknüpfung mit Jugendkulturen wie beispielsweise dem Punk und verschiedenen Subkulturen, die sich als „Antifa“ verstehen. Kritische und gesellschaftspolitische Haltungen bis hin zu pauschaler Abneigung gegenüber rechtsstaatlichen Grundsätzen und Strukturen kennzeichnen große Teile der Szenen. Teilweise sind zugespitzte politische Positionen und radikale Haltungen zu beobachten, die auch strafbarem bis gewalttätigem Handeln nicht aus dem Weg gehen.

Um dem beizukommen nutzen die Kulturschocker die Offenheit der Linken gegenüber der Kunst. In Städten wie Leipzig, Berlin, Cottbus und anderswo üben sich junge Menchen seitdem in Graffiti- und Protestsongworkshops, sie schauen Filme zum Thema und treffen sich mit Experten. Das alles wird in zahlreichen, online abrufbaren Dokumentationen festgehalten, bei denen streng darauf geachtet wird, dass niemand erfährt, welche Jugendclubs und soziokulturellen Zentren dort tatsächlich teilgenommen haben.

In den ersten Minuten ruft die Vereinswebseite mit den Ziel- und Tätigkeitsbeschreibungen eine Gähnen hervor. Da beschäftigen sich einmal mehr mehrere Mitarbeiter mit dem Kampf gegen Linksextremismus und lassen sich das vom Familienministerium fürstlich belohnen. Beispiele für derlei Unsinn gab es in den letzten Jahren viele. Die Kulturschocker aus Berlin aber irritieren mit einem Höchstmaß an Ambivalenz und Undurchschaubarkeit. Die Projektbeschreibungen sind vage gehalten, man offenbart zwar, welche Aktivitäten stattgefunden haben oder statt finden werden, aber kaum was deren Inhalte waren/sind.

So läßt sich beispielsweise aus der Beschreibung zum Teilprojekt: „Medien Berlin“ auch mit viel gutem Willen wenig rauslesen. Wird hier gemäß den Förderichtlinien gegen Linksextremismus gearbeitet oder beschäftigt man sich ernsthaft mit dem Mediendiskurs, also arbeitet heraus wie Linksextremismus auch dort konstruiert wird und geht tatsächlich der Frage nach der Beziehung zwischen gesellschaftlicher Hegemonie und Linksextremismusbegriff nach? Auf der Webseite ist zu lesen:

Die Teilnehmer/-innen setzen sich in Form mehrerer Diskussionsforen gemeinsam mit verschiedenen Referent/-innen mit dem Begriff des ‚Linksextremismus‘ auseinander. Dieser wird in unterschiedlichen Kontexten, wie den Cultural Studies und in Anbetracht von Aspekten gesellschaftlicher Hegemonie, diskutiert. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen betrachten insbesondere auch die mediale Rezeption des Begriffs ‚Linksextremismus‘. Im zweiten Schritt wird der mediale Diskurs des Begriffs und die Darstellung linksaffiner und linksextremer Thematiken in der Öffentlichkeit analysiert, kritisch hinterfragt und künstlerisch durch eine Videocollage reflektiert.

Ein wenig mehr Informationen über Inhalte finden sich im Forschungsbericht. Dort offenbart sich, dass die jahrelange Kritik an Extremismustheorie und -begriff zumindest an einigen Stellen insoweit wirksam war, dass Mitarbeiter bei solchen Projekten wenigsten ein paar Probleme haben. Dort wird beispielsweise erklärt, warum man mit „linksaffinen Jugendlichen“ arbeitet:

Wie bereits 2011/2012 stieß man auf die Schwierigkeit, dass das Programm der „Initiative Demokratie Stärken“ in der pädagogischen, wie bildungspolitischen Trä gerlandschaft kontrovers diskutiert wird (ebd., S.4). Insbesondere die Nutzung des Begriffs ‚Linksextremismus‘ stieß in der Praxis an Grenzen, weshalb im Kulturschock-Projektbeirat beschlossen wurde, von‚linksaffinen‘ Jugendlichen als Zielgruppe zu sprechen. Dieser Entscheidung half bei der Akquise von kooperierenden Trägern…

Und auch sonst hatten es die Damen und Herren offensichtlich nicht einfach:

Erschwert werden pädagogische Vorhaben dadurch, dass die Forschung über ,Linksextremismus‘ noch nicht ausgereift ist. Die Extremismustheorie an sich wird sehr kontrovers betrachtet und zum Teil von
politischen Akteur/-innen jeder Couleur abgelehnt.

Klingt alles fast ein bisschen unseriös. Oder?

Aber lesen sie selbst….

 

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