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Linksextreme Leset(r)ipps

März 5, 2015
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Ja, die Form des Spielens mit Wörtern in der Überschrift ist billig. Passt aber aufgrund dieser Eigenschaft zu dem, was im Beitrag vorgestellt wird.

Weiterhin, unverzagt und offensichtlich hochmotiviert widmen sich Personen, die sich selbst als Wissenschaftler bezeichnen (und nicht selten als solche bezahlt werden) der Erforschung der Gefahr von links. So zum Beispiel Schroeder/Deutz-Schoeder. Die schafften es mit ihrer kürzlich veröffentlichten Studie unter dem Titel „Gegen Staat und Kapital – für die Revolution!“ immerhin auf mehrere Seiten in der FAZ. Dort zeigt schon die Unterüberschrift, wo die Reise hingeht.

Gegen „rechts“ zu sein ist Pflicht, „links“ zu sein oft mehr als eine harmlose Neigung. Linksradikale und linksextreme Einstellungsmuster sind in Deutschland weit verbreitet.

Da kaum Menschen existieren, die zu Linksextremismus forschen – die einen, weil sie selbst solche Neigungen verspüren („Nicht wenige Wissenschaftler vornehmlich linker Couleur lehnen nicht nur den Extremismusbegriff ab, sondern bezweifeln, dass es überhaupt ‚Linksextremismus‘ gibt.“) andere, weil sie sich schlicht nicht trauen („Andere scheuen vor diesem Themenfeld zurück, weil Linksextremisten ihre politischen und wissenschaftlichen ‚Widersacher‘ beschimpfen und mitunter auch bedrohen.“) – hat das Paar Schroeder/Deutz-Schroeder das nun mal in die Hand genommen und die über 600 Seiten umfassende empirische Studie vorgelegt.

Langweilig? Zeitverschwendung? Ja, finden wir grad auch. Und deshalb wird es hier auch vorerst keine Rezension oder differenzierte Auseinandersetzung mit dem Werk geben. Wir belassen es bei der Erwähnung der Existenz der Publikation für folgende, wissbegierige Generationen oder forschende Außerirdische, die versuchen zu eruieren, was hier eigentlich schief gegangen ist.

Letztere könnten unter Umständen auch an der Veröffentlichung „Linksextremismus in Deutschland“ der Hanns-Seidel-Stiftung zum Thema interessiert sein. Das who is who der mutigen, nicht-selbst-links-geneigten Linksextremismusforschungszene gibt sich dort ein Stelldichein und schrieb sich, teilweise mit einem erstaunlichen Hang zur Redundanz, die Finger wund. Eckhard Jesse fragt sich hier zum Beispiel zum gefühlten 185sten Mal: „Ist DIE LINKE eine extremistische Partei?“, Armin Pfahl-Traughber konstatiert (auch nicht zum ersten Mal), dass es den Linksextremismus echt gibt, auch wenn andere immer wieder behaupten, dass Begriff in seiner Deutung problematisch ist. Und Rudolf van Hüllen äußert sich einmal mehr über den Umstand, dass es mit dem Bekanntwerden des NSU-Terrors zu einer „merkwürdigen ‚Normalisiserung'“ des Linksextremismus gekommen sei. Ja, langweilig! Wenn auch immer wieder seltsam und erschreckend. Etwas mehr Unterhaltungwert besitzt der Beitrag von Carsten-Dustin Hoffman, der die Verfassungsschutzbehörden ergänzt, die von ca. 7000 gewaltbereiten Linksextremisten in der Bundesrepublik sprechen. Durch ganz neue Defintionen und „Beobachtungen“ (Menschen die die Polizei ablenken, damit gewaltbereite Linksextremisten auch gewaltbereite Linksextremisten sein können), mathematische astreine Berechnungen (Hamburg Metropolengebiet mal Bundesrepublik durch Städte minus irgendwas) und andere geniale Winkelzüge kommt er zum Schluss, dass es in Deutschland etwa 30.000-40.000 militante Linke gibt. Ähnlich amüsierendirrtierend gestaltet sich der Beitrag von Ulrike Madest, die die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes bezüglich des Liedes „Deutschland muss sterben“ von Slime offensichtlich nicht gut heißt. Es handele sich hier um eine „verfehlte Interpretation des Liedes“. Ach ja, sie hat auch linksextreme Musikstücke gefunden, in denen behauptet wird, „faschistische Bewegungen würden durch Staat und Sicherheitsbehörden gedeckt und toleriert. Der Verfassungsschutz hätte daher versucht, die Morde absichtlich vertuschen zu wollen.“ Na sowas.

Wer sich doch für Schoeder/Deutz-Schroeder interessiert und keine Zeit zum Lesen hat, findet hier eine Pressefassung.

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